Samstag, 19. Mai 2012

Chironico

Für Auffahrt haben wir mal wieder ein ziemliches Chaos mit Ideen und Plänen. So fahren wir schlussendlich ins nahe Tessin. Hier haben wir noch einiges offen und es gibt zum Glück die grossgriffigen Dächer, die auch bei warmen Temperaturen geklettert werden können...

Logischerweise stehen wir zuerst einmal eine gute lange Zeit im Stau vor dem Gotthard, doch es herrscht gemütliches Wetter und mit viel Essen geht das Warten schnell vorbei. So chillen wir es noch ein bisschen im Gebiet und Manu klettert einige Klassiker wie Salsa Dura und Kill Bill. Wir ziehen wir zu den grossen schattigen Dächern im Centrale Sektor. Manu und Michi lernen, dass diese schönen kühlen Plätze für normale Menschen wie Debi nicht sehr einladend sind. Sie hat wenig Verständnis, dass man sich schreiend und Schmerz aushaltend irgendwo in einer schattigen Höhle zwei Meter raufwürgen muss, um glücklich zu sein. Trotzdem kommt sie mit, damit es uns wieder gut geht. Manu probiert den super Dachboulder Prima La Signora, welchen Michi im Winter mal geklettert hat. Nach einigen Versuchen stürzt er unglücklich beim letzten Zug, danach ist die Kraft weg. Michi will 3° Cane klettern, doch der Strom lässt sich nicht richtig einschalten heute...


Am nächsten Morgen sind wir motiviert und mit neuer Energie zurück. Manu tickt locker und kontrolliert im ersten Versuch des Tages Prima La Signora. Michi bouldert im zweiten Versuch durch die Crux, stellt sich aber danach äussert unfähig an und fällt im sehr einfachen Schlussteil. Die Flüche müssen bis nach Bellinzona hinunter zu hören gewesen sein. Als nächstes probieren wir Serre Moi Fort, doch die Wärme ist nun definitv spürbar und bei jedem Zug zieht es die Haut von den Fingern. Manu flasht dafür nach einem langen Kampf die geniale Platte Mit Gas. Er ist von diesem Boulder so begeistert, dass er ihn für die Kamera wiederholt.


Gegen Abend gewährt Debi Michi noch einen letzten Versuch in 3° Cane. Nichts klappt sauber, doch der Schlüsselzug gelingt und diesmal wird nicht mehr losgelassen. Somit ist auch dieser Boulder in der Tasche und wir müssen nun nicht mehr in dieses Dach zurückkehren. Merci für die zwei Tage in Chironico. 

Sonntag, 6. Mai 2012

Voralp Photos

Seit unserem letzten Besuch auf der Voralp ist schon einige Zeit vergangen. Obed's Projekt hier oben heisst immer noch Euphorie. Der Regen und tiefere Temperaturen, typisches Voralpwetter für uns, haben uns wieder mal zu diesem einzigartigen Klettergarten geführt. 

Wiedermal regnet es, als wir auf der Voralp aus dem Auto steigen. Über einige aufgeweichte Schneefelder gelangen wir mit dem Regenschirm bewaffnet (siehe Bild links) zur Wand. Kaum sind wir angekommen, donnern einige kürbisgrosse Felsbrocken über den Zustiegsweg ins Tal hinunter. Jetzt während der Schneeschmelze gehört das hier zum Alltag und es ist besser für die Gesundheit, sich nicht allzu weit vom geschützten Wandfuss zu entfernen. Klettern an dieser Wand ist jedes Jahr aufs Neue wieder gewöhnungsbedürftig. Mit dem Durchstieg hat es leider noch nicht geklappt, aber immerhin haben wir einige Fotos gemacht.

Samstag, 28. April 2012

Varazze

Für die Frühlingsferien planten wir einen Trip ins Bouldermekka Fontainebleau. Doch wie so oft in letzter Zeit fielen unsere Pläne ins Wasser. Am Mittwoch wäre das Wetter laut Wetterbericht am Besten gewesen mit einer Regenwahrscheinlichkeit von nur 60 Prozent. So etwas wollten wir uns nicht antun und wir fuhren stattdessen nach Italien ans Meer. Hierhin lockte uns vorallem das Bouldergebiet Varazze, von dem wir doch schon einiges gehört hatten und das in letzter Zeit mit der Wiederholung von Gioia ( Video von Christian Core | Video von Adam Ondra ) auch immer wieder in den Medien war... 

Am Montagmorgen sind wir auf dem Weg zum Gioia-Block im Sektor Potala. Kaum haben wir die Pads ausgebreitet, beginnt es zu regnen. Da überall das Wasser herunterläuft, stellen wir unsere Versuche im Krypton ein, obwohl die Leisten noch trocken wären. Nach einer halben Stunde ist die nette Begrüssung vorbei. Zurück bleibt nur ein tropfender Wald und nasse Felsen mit nassen Griffen. So enden unsere ersten Boulderversuche in Italien schneller als gewollt. Am Nachmittag erkunden wir dafür den Sektor. Irgendwann kommt uns die Idee, kurz noch einen Hüpfer ins Wasser zu wagen. Für westeuropäische Weicheier wie uns war es ziemlich kalt, aber wir haben überlebt.

Am Abend bleibt es zwar trocken, aber ein immer stärker werdender Wind weht vom Meer her hinauf. Gegen drei Uhr morgens wachen wir auf. Heftige Böen lassen den Regen auf unser Zelt prasseln und in einem seriösen Kampfeinsatz während des Sturms befestigen wir unser Zelt. Über zwei Stunden lang müssen wir uns von innen gegen die Zeltstangen stemmen, erst in der Dämmerung legt sich der Wind wieder. Am nächsten Morgen weckt uns die friedlich scheinende Sonne, als wäre nichts gewesen. Jedoch stehen längst nicht mehr alle Zelte. Eine Windschutzscheibe ist wegen eines halb umgestürzten Baumes in Brüche gegangen. Nachdem wieder alles mehr oder weniger stabil aufgebaut ist, klettern wir einige schöne Routen im Klettergarten in Le Manie.
Am Mittwoch sind wir wieder zurück in Varazze. Heute ist ein Nationalfeiertag, dementsprechend voll ist der Sektor. Den ersten Boulderer, den wir treffen, ist Christian Core. Er zeigt uns freundlich die beste Lösung für Krypton rasch locker vor. Unsere Lösung wäre gut gewesen. Uns fehlt aber einfach der Strom, um bei diesen schlechten Bedingungen die rutschigen Leisten zu halten. Als die Leisten richtig schwarz werden, ziehen wir weiter, ohne den Boulder geklettert zu haben. Gegen Abend bleiben nur noch wir und zwei Boulderer aus Genua länger. Ein Mann mit zwei Hunden, einer davon ein Rottweiler, wandert die ganze Zeit zwischen den Blöcken herum. Er sagt uns, dass wir die Zigarettenstummel nicht an den Boden werfen sollen, obwohl wir hier gar nicht geraucht haben. Wir kommen mit ihm ins Gespräch und er erzählt uns, dass es hier viel zu viele Leute gibt, die ihren Abfall im Wald liegen lassen. Ihm und einem Kollegen gehört das Land, und darum kontrolliert er ab und zu, ob sich die Boulderer an die Regeln halten. Als wir ihm erzählen, dass wir Schweizer sind, ist er begeistert. Die Schweizer würden noch wissen, wie man mit der Natur umzugehen hat. Er erlaubt uns sogar, in der Nähe des Baches mit dem Schlafsack zu übernachten, damit wir nicht immer von Le Manie mit dem Auto herfahren müssen. Wir finden einen gemütlichen Platz direkt am Wasser. Dunkle Wolken ziehen über den Himmel, aber heute haben wir Glück.
Am nächsten Tag sind wir die einzigen in Potala. Der Himmel ist immer noch bedeckt. Nach einem Bad im Fluss noch vor dem Frühstück, dass einige mehr geniessen als die anderen, sind wir hellwach. Wir klettern zuerst zwei kurze Boulder an einem kleinen Block bei unserem Schlafplatz. Als nächstes steht ein Boulder auf dem Programm, den wir gestern am Abend gefunden haben und der perfekt aussieht. Die Linie heisst Tempo delle Favole und zieht durch Überhang, wo es nur die Griffe gibt, die auch gebraucht werden. Voll motiviert wollen wir Ciucciati il Calzino probieren. Wir brauchen ziemlich viel Zeit, bis wir eine seriöse Lösung gefunden haben. In allen Videos wird der Boulder ganz anders geklettert, aber unsere Sequenz ist auch lustig. Leider reicht die Kraft nicht mehr, um den Boulder durchzuziehen und wir beschliessen, morgen wieder herzukommen. Als Abschluss für heute klettern wir eine schöne Linie im unteren Teil Potalas. Am Anfang heben wir nicht ab, bis wir endlich ein listig verstecktes Startloch finden. Die Nacht ist klar und kühl, umso wärmer ist es dafür am nächsten Morgen.
Wir wollen gleich zum Starten die fast immer schattige Ciucciati il Calzino durchzupfen, doch schnell müssen wir einsehen, dass es bei diesen Temperaturen wenig Sinn hat. Die Haut ist schon ziemlich dünn und wir schwitzen schon beim Herumstehen im Schatten, so warm ist es. Leider gibt es auch hier keinen Durchstieg, aber wir kommen irgendwann zurück. Manu fällt auch zweimal beim Ausstieg seiner Traverse, nur um zu merken, dass er einen viel zu schwierigen Ausstieg probiert hat. Beim dritten Versuch ist kein Sugo mehr da und auch hier ziehen wir erfolglos ab. Mittlerweile ist es Mittag und so heiss, dass wir das Bouldern aufgeben. Obwohl die Conditions nicht optimal waren, haben wir eine schöne Woche in Italien verbracht. Am Samstag reisen wir wieder zurück. Danke vielmals für die Ferien

Mittwoch, 25. April 2012

Le Manie

Le Manie ist ein kleiner Klettergarten in der Nähe von Finale Ligure in Italien. Die meisten Routen sind zwischen 10 und 15 Meter lang und überhängend mit maximalkräftigen Zügen. Somit ist hier auch für den Boulderer etwas zu holen...

Während unseren Ferien in Italien besuchen wir den Sektor Museo dell'Uomo in Le Manie und sind auf den ersten Blick begeistert. Als wir endlich alles Material dabeihaben, können wir auch loslegen. Aus dem hintersten Winkel der Grotte zieht die Route Museo dell'Uomo selbst hoch. Griffe gibt es nicht viele, dafür sind alles riesige Henkel. Im unteren Teil findet sich sogar ein richtiger Dyno. Ist man in der Nähe, muss man diese Route unbedingt klettern. Orrilo am rechten Rand der Grotte klettern wir als nächstes. Auch diese Route ist super, wenn auch nicht ganz so einzigartig wie Museo dell'Uomo. Am linken Rand der Grotte ist die vielleicht schwerste Route von Finale zu finden. Urka / Catmaker wurde von Klem Loskot erstbegangen und seither trotz einiger Versuche von berühmten Kletterern nicht wiederholt. Das können wir dann nächstes mal probieren...