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Freitag, 3. Oktober 2014

Pfriendler


Nach der Berlin Wall am Guferstock genossen wir heute am Pfriendler wieder eine gemütliche Mehrseillängentour in bestem Fels. Die ersten zwei Seillängen kletterten wir über die "Via Fritz". Die nächsten vier Seillängen folgten wir den Bohrhaken der Route "Tröimli". Die Seillängen sind wirklich ausserordentlich schön und abwechslungsreich. Es gibt Verschneidungen, senkrechte Abschnitte mit riesigen Henkeln und ein lustiger kurzer Spreiz- und Stemmkamin. Der letzte Aufschwung auf dem Grat hält nochmals eine letzte schöne Kletterstelle bereit. Dank unserem späten Aufbruch hatten wir in der Route freie Bahn und waren alleine auf dem Gipfel.

Um wieder von diesem Felszacken herunter zu gelangen, wählten wir den Fussabstieg. Über einen kurzen Felsgrat mit einfachen Kraxelstellen (Sicherungen an Zackenschlingen oder an alten Schlaghaken möglich, wenn gewünscht) erreichten wir die Lücke. Als wir durch die Rinne zurück zum Einstieg kamen, bewachte nur noch ein Steinbock unsere Rucksäcke. Alle anderen Kletterer waren schon wieder abgestiegen. 

Die umliegenden Felszacken im letzten Licht des Tages...

Ein aktuelles Topo findet sich im Filidor-Führer "Steingletscher am Sustenpass".

Sonntag, 6. Juli 2014

Berlin Wall


Der Sustenpass ist nicht nur für Boulderer ein Paradies. Derselbe feste Fels, aus dem die Blöcke bestehen, baut auch die umliegenden Gipfel auf. Hier finden sich schöne Mehrseillängentouren mit relativ kurzem Zustieg und plaisirmässiger Absicherung. Heute haben wir uns für die Route "Berlin Wall" am Guferstock, dem äussersten Felszacken direkt oberhalb des Sustenbrügglis entschieden (Bild unten).

Der Ausgangspunkt ist der Parkplatz zwei Kurven nach dem Sustenbrüggli vor der Passhöhe (bei P. 2130).  Wir folgen zu Beginn dem Wanderweg und verlassen diesen erst, um zur Wand hinüberzuqueren. Die ersten zwei Seillängen gehören zum Vorbau, vom zweiten Stand könnte über ein Grasband aus der Wand gequert werden. Die nächsten drei Seillängen sind steiler und interessanter. Die letzte Seillänge führt dann bis knapp unter den Gipfel, der von dort aus schnell erreicht ist.

Dunkle Wolken, die sich schon seit längerem hinter dem Chli Sustenhorn aufbauen, drängen uns zum Abseilen (über die "Canto di Mala Vita", max. 30 m). Das Gewitter bleibt aber aus und wir können den gemütlichen Tag in den Bergen stressfrei ausklingen lassen.

Die Routen führen durch den rechten Wandteil. "Canto di Mala Vita" folgt mehr oder weniger der Falllinie des höchsten Punktes, "Berlin Wall" befindet sich noch weiter rechts. Ein aktuelles Topo findet sich im Filidor-Führer "Steingletscher am Sustenpass". Die Route ist sehr gut mit Bohrhaken ausgerüstet, zusätzliche Sicherungsmittel sind nicht notwendig.


Sonntag, 14. April 2013

Poseidon - Gott oder Guru?


Das Wetter ist endlich perfekt und um 10 Uhr morgens entscheiden wir (Philipp und Michi) uns, etwas zu unternehmen. Zur Auswahl stehen das Telli oder die sagenumwobene Guruplatte am Hunds-Chopf. Da die Temperaturen schon sehr sommerlich sind, beschliessen wir, nach Seelisberg zur Guruplatte zu fahren. Gute zwei Stunden später fetzen wir mit den Kickboards über die Strasse zum Hunds-Chopf. Zu Fuss steuern wir durch den Wald weiter auf der Suche nach der Abseilstelle. Schnell stossen wir auf die Abbruchkante, wo der friedliche Wald abrupt endet und beinahe vierhundert Meter tiefer der Urner See in der Nachmittagssonne glitzert. Entlang dieser Kante stossen wir linkshaltend auf die angepeilte Abseilstelle. Nach Philipp's ersten fehlgeschlagenen Seil-Rauswerf-Versuchen, er meinte, im alpinen Gelände hätte es sonst nicht so viele Bäume, seilen wir uns kurz vor halb drei endlich in die Wand ab. Das zweite Mal Abseilen führt uns über die Abbruchstelle des Felssturzes von 2008. Nach drei weiteren, reibungslosen Abseilmanövern stehen wir am oberen Ende einer kleinen Geröllterrasse immer noch zweihundert Meter über der Wasseroberfläche inmitten der Wand.

Bild links: Tiefblick vom Ausstieg auf den See und die letzte Seillänge. Die Kunst des Seilwerfens erfordert unterhalb der Baumgrenze besonderes Können.

Michi startet gleich in die erste Seillänge und wie erwartet ist die Kletterei nicht einfach ein Spaziergang, wie der Schwierigkeitsgrad vielleicht vortäuschen könnte, sondern erfordert Fusstechnik und Übersicht. Die Kulisse ist fantastisch und als die Sonne hinter den Felsen verschwindet, ist auch das Klima sehr angenehm. Philipp klettert die nächste Seillänge, die über einen kleinen, griffigen Aufschwung auf die nächste Platte führt. Die dritte Seillänge wartet mit laut Topo 45 Klettermetern und verursacht schmerzende Füsse in den engen Kletterfinken. Die vierte Seillänge erreicht das obere Ende der Guruplatte, wo die schwierigen Stellen dieser Route allesamt bewältigt sind. Die fünfte Seillänge führt an der Kante eines meterbreiten Risses hinauf, bevor es in der Letzten nochmals plattig wird. Zum Schluss hetzen wir hinauf, da wir unbedingt den Bus erwischen wollen. Pünktlich in Seelisberg angekommen stellen wir fest, dass der Bus fünf Minuten früher fährt als wir dachten. Der gute alte Autostop hilft uns zum Glück wiedermal weiter.

Die Route Poseidon in der Guruplatte am Hundschopf ist wirklich lohnend. Das Ambiente ist einmalig, Klettereien mit Seen unter den Füssen gibt es in der Schweiz nicht zuhauf. Die Felsqualität ist ziemlich gut, nur selten sind kleine Käntchen ausgebrochen. Es hat sich gelohnt, anstelle eines Klettergartennachmittags wiedermal eine kleine Mehrseillängentour zu klettern. Das Topo zur Route findet man im neuen Zentralschweizer Kletterführer. Die empfohlenen mobilen Sicherungsgeräte können übrigens nicht eingesetzt werden und sind auch nicht notwendig. Haken sind vorhanden, man braucht nur zehn Expressen mitzunehmen.

Sonntag, 11. September 2011

Gandschijen

Endlich hat Obed seine dreiwöchige Kletterpause überstanden. Für einen sanften Einstieg zurück ins Business entscheiden wir uns für eine Mehrseillängenroute. Wir erklären "Dr Börtlergrind" in der Südwand des Gandschijen zu unserem Ziel. Überhängende Kletterei verspricht uns das Internet. Wiedermal ein Beweis, dass man sich besser nicht nur auf Infos aus dem World Wide Web stützen sollte...

In Gwüest verlassen wir das überfüllte Postauto, das übrigens leider nicht zum GA-Bereich gehört. Obed schlägt ein seriöses Tempo an, so dass Michi schnell keuchend und schweissüberströmt zurückfällt. Immer dieser Stress, dafür sind wir nach gut vierzig Minuten am Einstieg. Es sind schon einige Kletterer hier und noch mehr beim Zustieg. Nach einigen Abklärungen ist klar, welches unsere Route ist. Allzu überhängend sieht sie auf den ersten Blick nicht aus...



Die erste Seillänge ist relativ kurz und verglichen mit den folgenden auch einfacher. Die zweite Seillänge ist anspruchsvoll und stellt mit einer fiesen Einzelstelle kurz vor dem Stand, wenigstens für unsere Verhältnisse, grosse Anforderungen an die Fusstechnik. In dieser Route sucht man keine No-Hand Rests, die gibt es zuhauf. Grössere Freude herrscht, wenn einer der seltenen No-Foot Rests gefunden wird und man sich gemütlich mit den Händen an einer gütigen Leiste halten kann. Die sehr schöne dritte Seillänge (Bild oben) ist anhaltend schwierig, dafür hat es keine so harte Einzelstelle. Mit schmerzenden Füssen schauen wir ab und zu wehmütig und ein bisschen neidisch in den klassischen Südpfeiler hinüber, der eindeutig die grösseren Griffe zu bieten scheint. Diese Route wird heute fleissig begangen, wie auch die anderen Klassiker im rechten Wandteil. In der "Dr Börtlergrind" dagegen sind wir alleine. Die vierte Seillänge ist einfacher, aber auch nicht zu unterschätzen. Nun stehen wir unter der Schlüsselseillänge, die ziemlich listig und noch viel plattiger als die vorherigen Klettermeter aussieht.



Die Sonne brennt und die Füsse jammern, plötzlich rutschen Hände und Finken miteinander und die Onsight-Ambitionen sind zerstört. Michi rettet sich an den Zwischenstand, wo sich die Füsse nochmals ein wenig erholen können. Irgendwie bringt er sich auch zum nächsten Stand hinauf und ist froh, endlich dieser Plattenhölle entflohen zu sein. Infolge der fortgeschrittenen Zeit verzichten wir auf die Ausstiegsseillänge des Südpfeilers und seilen zügig wieder ab.

"Dr Börtlergrind" ist eine sehr schöne Route in bestem Fels und ziemlich genau unser Antistil. Aus dem gemütlichen Klettertag ist wiedermal nicht viel geworden, trotzdem hat es sich gelohnt. Die Route ist sehr gut abgesichert, Friends und Keile sind nicht nötig. Vorsicht ist bei einigen sehr grossen Schuppen angebracht, die sich manchmal von Hand bewegen lassen. Abgeseilt wird am besten über den Südpfeiler, der mit Muniringen ausgerüstet ist. "Dr Börtlergrind" ist ein gutes Training für die Fusstechnik, überhängende Kletterei sucht man aber vergeblich...

Sonntag, 4. September 2011

Kassensturz

E i n e   w e i t e r e   F o l g e   d e r   s e r i ö s e n   T r i p s  . . .

Am Freitagabend ist Michi, wie immer weit vorausplanend, auf der Suche nach einem Kletterpartner für den Samstag. Das gestaltet sich als ziemlich schwierig, nur schon aus dem Grund, dass Obed in Folge seiner unantastbaren Kletterpause ausfällt. Doch plötzlich kommt der Anruf von Jan, ob er morgen mitkommen will. Keine Frage, also brechen wir am Samstag in aller Frühe zu viert zum Furkapass auf.


Wir entscheiden uns für die schöne Route Kassensturz, die in sechs abwechslungsreichen Seillängen auf den Hannibal führt. Es sind schon viele Leute in der Wand unterwegs, als wir ankommen, aber wir sind die einzigen in der Kassensturz. So sind wir nach zwei Stunden schöner Kletterei auf dem Gipfel. Die mitgebrachten Friends wären nicht nötig gewesen, die Route ist sehr gut abgesichert. Der Hunger lockt uns zu unseren Rucksäcken zurück und mit drei Mal Abseilen steht man rasch wieder am Einstieg. Merci für die kurzfristige Anfrage, es war wieder einmal ein seriöser Klettertag... Link zu Mountain-Feeling.


Sonntag, 14. August 2011

Kadenz

Heute steht das zweite Mal diese Woche Mehrseillängenklettern auf dem Programm. Flo und Michi entscheiden sich für die Kadenz in den Engelhörnern. Das ist eine schöne Mehrseillängentour in ziemlich scharfem Kalkfels. Sie führt in sieben sehr gut abgesicherten Seillängen durch die Südwand des Rosenlauistocks.

Die Tour startet leider nicht am Einstieg, zuerst müssen wir den Zustieg vom Parkplatz beim Hotel Rosenlaui bis zur Wand hinter uns bringen. Der Start verläuft gemütlich auf einem Wanderweg, aber schon bald zweigt man bei einigen Steinmännern rechts ab. Wir befinden uns bald zu weit links im Hang und suchen uns unsere eigene Route. Am Ende müssen wir eine kurze Felsstufe durch eine Rinne überwinden, die am Ausstieg ein Kriechband bereithält. Flo ist zu gross und passt nicht durch, er findet aber einen anderen Aufstieg. Wenigstens sind wir jetzt wach und der weitere Wegverlauf ist problemlos.


Die Kadenz selber erweist sich als guter Entscheid. Die Kletterei ist super schön, immer ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger als senkrecht. Heute sehen wir viele andere Kletterer in den Engelhörner, wir sind aber alleine in den Südwandrouten. Auf dem Gipfel sind auch schon viele Leute und wir geniessen das schöne Wetter am Ausstieg. Über die Route seilen wir zügig wieder ab und chillen noch ein wenig am Einstieg. Im Abstieg wählen wir die längere, aber gemütlichere Variante um den steilen Hang zu umgehen. Insgesamt war es ein schöner Klettertag, auch wenn es für Michi manchmal fast zu schnell vorwärts ging. Dafür hat er die wichtige Lektion gelernt, dass "im alpine Gländ nie döffsch trödle"...

Freitag, 12. August 2011

Melchtal

Flo und Michi sind heute im Melchtal unterwegs. Schöner Kalkfels und gut abgesicherte Routen sind hier garantiert. Dank der guten Erreichbarkeit muss man nicht allzu früh aufstehen. Endlich hat wieder mal das Wetter mitgespielt, so wie es im Sommer auch sein sollte...

Am Morgen klettern wir den "Flaschengeist", eine kurze Mehrseillängentour weit rechts aussen an der Wand der Cheselenflue. Der Zustieg ist ein bisschen mühsamer als derjenige zum Hauptsektor. Weglos muss man sich knapp eine Stunde lang den Weg durch Gestrüpp und Geröll bahnen. Dafür sind wir die einzigen an der riesigen Wand, wo die Route am rechten Rand hinaufführt. Weiter links im zentralen Wandteil wäre sicher noch Platz für eine schwerere Tour, wahrscheinlich ist der Fels dort aber brüchiger. Am Nachmittag statten wir dem Klettergarten Stöckalp einen Besuch ab. Wir entscheiden uns für die schöne Route "Aischa", die gegen oben immer schwerer wird. Wir geben beide einen Versuch, doch mit unserem Können reicht es nicht für den Durchstieg. Zum Ausklettern geniessen wir die kürzere "Amarillo". Wir kommen sicher mal wieder, wenn es einige Grade kühler ist.

Flo in der vierten Seillänge, die Genusskletterei vom Feinsten bietet.

Solches Topwetter hatte diesen Sommer bis jetzt leider Seltenheitswert...

Samstag, 5. März 2011

Vamos a la Playa

Als Obed und Michi das erste Mal im Klettergarten in Cevio waren, fiel ihnen gleich die imposante Wand rechts vom Klettergarten auf. Nachdem Sevi und Jan uns von der Route "Vamos a la Playa" erzählt hatten, war klar, wohin es dieses Wochenende gehen soll.

Parete di Cevio

Der Start unserer Unternehmung war dann leider nicht ganz so seriös wie gewünscht. Blöderweise hatten wir den Kletterführer im Bus vergessen. Nach diesem ersten Verlust beschlossen wir aber, den Tag dennoch zu geniessen. Der Zustieg führt am Klettergarten vorbei in einer knappen halben Stunde unter die Felswand. Hier waren wir zuerst unsicher, wo der Einstieg genau sein soll. Eine listige und nasse Felsstufe trennte uns von der eigentlichen Wand. Zum Glück erreichten wir Jan per Telefon, der uns ermunterte, dass wir am richtigen Ort sind und da sahen wir auch schon die ersten Bohrhaken im nassen Fels.


Die erste Seillänge ist noch nicht das wahre Bijoux, alles war noch ein bisschen nass und schmierig. Die zweite Länge, die erste in der richtigen Wand, bietet dafür wunderschöne Kletterei. Nach den ersten guten Griffen kommt gleich die Schlüsselstelle dieser Länge, ein Längenzug in einen Riss. Bei Michi, noch unaufgewärmt, war der Kämpferwille heute nicht so stark ausgeprägt und er hatte hier schon seine Mühe. Die Seillänge beschreibt eine weite Linkskurve und die letzten Meter vor dem Stand sind ein Quergang, in dem es ein bisschen Seilzug gibt. Obed bewältigte die ersten Klettermeter seriös sauber onsight und startete gleich motiviert in die zweite Länge.

Obed im Quergang der zweiten Seillänge, kurz vor dem Stand.

Die Wand steilt sich ziemlich auf, die klare Schlüsselstelle befindet sich auch hier im ersten Teil der Länge. Obed kletterte auch diese kraftraubende Seillänge sauber mit einigen seriösen Fighterschreien, die im ganzen Maggiatal zu hören waren. Irgendwie schaffte es Michi auch zum dritten Standplatz und startete nach kurzer Pause in die vierte Seillänge. Immer noch nicht ganz auf Touren, kam er auf den ersten Metern gleich ins Stocken und einige Minuten später fand er sich wenige Meter unter dem Standplatz im Seil hängend wieder, den ausgebrochenen Griff noch in der Hand. Obed übernahm den Vorstieg und überwand vorsichtig die erste Stelle in der brüchigen Verschneidung. Die Schlüsselstelle sowie die folgenden Meter anstrengender Kletterei gelangen ihm auf Anhieb. Der vierte Stand befindet sich über der grossen Überhangzone, die letzte Seillänge ist deutlich einfacher und kürzer und führt auf ein kleines, gemütliches Plateau hoch über dem Tal. Der Fussabstieg war leider nicht ganz so einfach zu finden. Die gute Pfadspur verlor sich rasch, irgendwann fanden wir weiter unten wieder einen guten Weg. Am besten hält man sich in Abstiegsrichtung immer möglichst links.


Obed am Ausstieg nach seiner Onsight-Begehung.