Freitag, 10. April 2015

BLEAU Part IV: Buthiers & Cuvier

Der Donnerstag führte uns ins Gebiet "Buthiers". Beim Aufwärmen passierte der Tiefpunkt der Woche. Damien stürzte aus geringer Höhe unglücklich auf die Kante der Matte und verletzte sich an den Bändern im Fussgelenk. Glücklicherweise war einer der anwesenden Boulderer ein Arzt und so konnte der Fuss schnell fachmännisch stabilisiert werden...

Dark Room ist eine versteckte, aber geniale Linie mit grossen Griffen und dynamischen Zügen. Wenn der Block freistehen würde, wäre das Problem perfekt. Andere wirklich perfekte Probleme sind L'Étrave und Lady Big Claque / Le Flipper (Bild oben: Flave im Durchstieg). Weniger schön - aber dennoch ein Klassiker - ist das kleine Dach Magic Bus, welches mir Dani noch zeigte und mir gleich eine gute Flash-Beta gab.

Gegen Abend trafen wir uns bei dem hohen Boulder Le Surplomb du Pique-Nique, gegenüber von La Rampe (Bild oben). Bis zur Kante ist es nicht besonders schwierig, aber dort muss man sich zum Aussteigen in eine Bleau-Badewanne hineinwerfen. Im ersten Versuch traute ich mich nicht, denn aus der Badewanne gibt es keine angenehme Rückzugsmöglichkeit. Bei meinem nächsten Anlauf war Dave schon oben und er coachte mich seriös durch den Mantle. Es ist nicht wirklich schwierig, aber auch nicht einfach. Stil-Punkte hatte ich nicht viele gesammelt aber ich freute mich über diesen speziellen Bleau-Boulder...

Am Freitagnachmittag fuhren wir in den "Bas Cuvier"-Sektor. Zusammen mit Achille versuchte ich den Klassiker Charcuterie (Bild oben), der uns bratend in der Sonne ein paar Millimeter Haut kostete. Pince-Mi, Pince-Moi lag zum Glück im Schatten. Die Ressourcen Kraft und Haut waren nicht mehr auf höchstem Niveau und so musste ich ziemlich kämpfen, um dieses Testpiece aus dem Jahre 1987 zu klettern. Am Abend schauten wir uns die Blöcke im Cuvier Rempart an, dieses wunderschöne Gebiet steht weit oben auf der Liste für den nächsten Besuch. Christina und Achille unterstützten meine Anstrengungen in "Tristesse", aber bis ich einen Lösungsansatz gefunden hatte, war ich schon viel zu schwach für den weiten Schlüsselzug. Next time!

Mittwoch, 8. April 2015

BLEAU Part III: Rocher Gréau & Petit Bois


Den nächsten Tag durfte ich mit dem Team Graubünden in den Rocher Gréau verbringen. In diesem Gebiet gibt es einige riesige Blöcke, an denen geniale, aber auch hauptsächlich schwierige Linien hochführen. Schon scheinbar einfache Aufwärmprobleme wie Caprice des Lieux stellen gewisse Anforderungen. Einer der wenigen Lowballs ist Faux Fuyant / Pentium. Im ersten Versuch fiel ich beim Start an einem speziellen Kreuzzug auf einen Sloper. Im nächsten Anlauf gelangte ich in eine bessere Position und konnte den rettenden Toehook an der linken Kante setzen. Die Haut war schon dünn, die Temperatur hoch und somit beschloss ich schnell, Mégalithe auf einen Besuch in der kalten Jahreszeit zu verschieben. Nur Remo liess sich von den Messerleisten nicht beeindrucken und holte sich eine Begehung. Nachher liessen wir uns noch von der einen oder anderen Linie (Bild unten: Dave in Rince-Doigts) inspirieren, bevor wir uns ins Nachbargebiet Petit Bois aufmachten.

Petit Bois ist wieder ein perfektes Beispiel für ein perfektes Bleau-Gebiet. In einem kleinen Wäldchen tauchen plötzlich unglaublich geformte Felsblöcke in idealer Grösse auf, die so angeordnet sind, dass jede Linie isoliert und mächtig dasteht. Eine dieser Linien ist Big Jim. Diese hohe Löcherwand muss einfach geklettert werden und mit einer lustigen Freestyle-Lösung mit dem Daumen im Einfingerloch stand ich kurze Zeit später oben. Langsam war es schon am Eindunkeln und wir wollten unbedingt noch La Baleine ausprobieren. Infolge sprachlicher Differenzen beim Betaaustausch mit einem Local verlängerte ich schon von der Zange an den Schlitz, anstatt die Leiste an der Dachkante zu doppeln. Mit ein bisschen Glück traf ich den guten Griff aber optimal und durfte somit einen weiteren Bleau-Klassiker geniessen. Leider war der Tag schon wieder zu Ende und viele Felsen warten auch hier auf einen nächsten Besuch.



Dienstag, 7. April 2015

BLEAU Part II: Rocher Canon


Nach dem fantastischen Tag in den Franchard-Sektoren verbrachten wir den Montag in den Rocher Canon. Da es schon recht warm war, starteten wir den Tag mit einem Parkour. Abschüssige Platten, enge Kamine und weite Sprünge führten uns immer weiter in den Wald hinein. Unsere Gruppe wurde immer kleiner und zuletzt blieb nur das Alpinteam mit Christina und Basil, die sich im zunehmend moosigeren, weniger geputzten Fels sichtlich wohl fühlten. Nach diesem Techniktraining wählten wir den erstbesten Boulder aus, dessen Stehstart wir zusammen entschlüsselten. Die ganze Linie, Exposition Rétrospective assis, zeigte sich widerspenstiger. Als ich endlich die Startzüge aneinanderreihen konnte, fiel ich noch zweimal direkt vor dem Ausstieg, weil ich langsam vom guten Sloper rutschte. Ishan löste diesen Zug geschickt mit einem Hook. Nach einer kurzen Pause hatte ich dann auch mit meiner weniger eleganten Beta Erfolg.

Le Chaînon Manquant (avec l'arête) (Video), den Gebietsklassiker, erkoren wir zum nächsten Ziel. Manu und Damien hatten sich beide schon eine Begehung geholt. Ich selber war wie schon vorhin auf allen Griffen am herumschmieren und musste kämpfen, um oben neben dem Baum auszusteigen. Ishan und Dani, letzterer wie gewohnt mit unkonventioneller Beta, standen kurze Zeit später auch oben. Die direkte Version haben wir uns für später aufgespart. 



La Théorie du Chaos (Bild oben, Video) hiess die nächste Traumlinie zuoberst auf dem Hügel. Nach einem Sprung an guten Griffen folgt ein kniffliger Ausstieg. Mittlerweile sanken die Temperaturen und die abschüssigen Seitleisten hatten schon knapp genug Reibung für einen Durchstieg mit müden Unterarmen. Auch die Sonne war schon hinter dem Horizont abgetaucht und wir waren die letzten unserer Gruppe im Gebiet.

In der Dämmerung machten wir uns auf zu Lévitation (Bild oben), einem Überhang mit riesigen, hautschonenden Griffen. Die Kraft reichte leider nur bis zur Dachkante, wo ich für den letzten strengen Zug nicht auf Anhieb eine passende Lösung fand. Im nächsten Anlauf verhalf der entscheidende Trick zum Erfolg. Basil, Ishan und Manu planten am nächsten und ihrem letzten Tag nochmals bouldern und meine Haut war schon so dünn, dass wir zum Camping zurückkehrten. 

Der nächste Tag wurde zur härtesten Probe dieser Woche. Ich plante einen Ruhetag, doch da ich der Einzige war, begleitete ich die anderen nach Isatis. Ich schaute den ganzen Tag zu, wie Klassiker wie El Poussah geklettert wurden und machte selber keinen einzigen Zug...

Sonntag, 5. April 2015

BLEAU Part I


Am Ostersamstag kletterten wir im Sektor "L'Éléphant". Die Begrüssung am Vorabend war feucht gewesen und am Samstagmorgen fielen immer noch Regentropfen. Gegen Abend stoppte der Niederschlag und die Felsen trockneten. Erst später haben wir gelesen, dass im "L'Éléphant" der Sandstein besonders weich ist und dieses Gebiet nach Regen gemieden werden sollte. Der Fels ist besonders brüchig, ist er nicht komplett trocken. Der erste Boulder unseres Trips war Le Surplomb du Loup (Bild unten), ein grosser Überhang mit riesigen Henkeln. Obwohl die Griffe im Überhang abgetrocknet waren, fühlte sich die flechtenbewachsene Felsoberfläche oben auf dem Block wie Schmierseife an. Louis und ich wählten den Abstieg auf der Rückseite mit einem grossen Sprung hinunter auf die Matten.

Nach vielen schönen einfacheren Linien fanden wir einen kleinen Überhang mit Fingerlöchern. Beim ersten Zug gilt es von einem Zweifingerloch aus ein anderes Zweifingerloch zu treffen. Manu und ich konnten La Barre Fixe mit dieser Lösung schnell klettern. Ishan probierte vom Start direkt die guten Griffe anzusteuern und holte sich so eine Begehung. Nach diesem ersten genialen kleinen Boulder freuten wir uns auf den nächsten Tag, wenn alles trocken sein würde...

Am Ostersonntag standen die "Franchard"-Sektoren auf dem Programm. Wunderschön ist mir der Hügelzug in Erinnerung geblieben. Bei meinem ersten Besuch in Bleau vor zwei Jahren spazierten wir am letzten Tag vor der Abreise hier durch ohne noch gross zu klettern. Einer der Boulder auf meiner Liste, die ich unbedingt versuchen wollte, hiess Rainbow Rocket (Bild oben). Ohne genau zu wissen, wo sich die "Mur des Carriers" befindet, machten wir uns auf die Suche. Als wir ratlos bei einer Kreuzung standen, trafen wir zum Glück eine andere Gruppe, die uns auf den richtigen Weg lotste. So baute sich plötzlich die eindrückliche Mauer vor uns auf. Ein Schwede, der schon sehr knapp unter die Kante sprang, liess uns mitprobieren. In den ersten Versuchen lernte ich, dass Rainbow Rocket komplexer ist als viele andere Dynos. Sonst genügt es oft, wenn man nur den Willen hat voll abzudrücken, auch wenn sich die Position scheinbar nicht dafür eignet. Rainbow Rocket ist kein kräftiger Dyno, mehr ein reines Bewegungsproblem - wahrscheinlich einer der wenigen Boulder dieser Schwierigkeit, die auch zum Beispiel von einem Parkourathleten ohne kletterspezifische Fingerkraft begangen werden könnten.


Die Kante kam bei jedem Versuch ein bisschen näher, doch ich verstand die Bewegung nicht richtig. Wenn ich mich darauf konzentrierte, voll abzudrücken, litt die Koordination stark darunter. Dani und Ishan konnten sich nicht richtig für den Block begeistern, nur Manu probierte Voltex (Bild oben / Video). Die anderen zog es in Richtung Cuisinière und ich fühlte mich ein wenig gestresst, da ich diesen Dyno unbedingt machen wollte. Plötzlich konnte ich die verbliebenen fünf Zentimeter doch noch überwinden und blieb an der Kante hängen. Ich freute mich riesig, mit Rainbow Rocket (Video) einen meiner Traumboulder klettern zu können. Manu knipste als bekennender Anti-Dynamiker mit Voltex einen seiner härtesten Dynos locker weg.

Den zweiten Teil des Nachmittags haben wir in der "Franchard Cuisinière" verbracht und viele einfachere Klassiker geklettert. Den Mantle von Pas Cool (Bild oben) konnte ich gleich durchwürgen, die linke Variante Paye ton Café fiel uns ein wenig schwerer. Irgendwo in meinen Erinnerungen schwebte mir ein Bild eines Dynos vor und nach einer kleinen Suche fanden wir La Déferlante (Video). Kaum hatten wir die Matten hingelegt, war Basil schon ausgestiegen. Ishan und ich brauchten noch einige Versuche, bis wir ohne Dab ausschwingen konnten. In Contorsion Égocentrique fand  Basil eine sehr interessante Lösung: erster Zug mit rechts in den Seituntergriff, dann hoch. Mittlerweile war es schon praktisch dunkel. Nach einigen einfacheren Problemen genossen wir das Abendessen im Gebiet, danke fürs Kochen!