Sonntag, 12. August 2012

The Trip Part II: Silvapark


Der erste Teil unserer Woche verbrachten wir im Magic Wood. Am Donnerstag verlassen wir den magischen Wald und fahren nach Chur. Hier rüsten wir unsere Futterreserven mächtig auf. Über Feldkirch und Bludenz gelangen wir ins Montafon. Das Tal zieht sich gewaltig in die Länge und es dauert seine Zeit, bis wir Partenen ereichen. Dass unser sowieso schon stark verpixelter Googe-Earth-Ausdruck leider auch noch nass geworden ist, macht die Orientierung deutlich interessanter. Um weiter zu fahren zahlen wir vierzehn Euro und nach einer steilen Kurvenstrasse sehen wir einen Stausee. Im Kletterführer steht auch etwas von einem Stausee und so wähnen wir uns am Ziel. Irgendwann wird uns klar, dass wir erst am Vermuntsee sind und wir zum Kopsstausee wollen. Über die Bielerhöhe fahren wir ohne weiteren Probleme dorthin. Es herrscht eine episch anmutende Wolkenstimmung. Das beunruhigt uns, da wir kein Zelt dabei haben und das Auto sich nicht eignet, um darin zu übernachten. Doch gerade als wir unser Abendessen fertig gekocht haben, fallen die ersten Tropfen vom Himmel. Wir stopfen alles Material auf die Vordersitze und zwängen uns in den Kofferraum. Ziemlich viele nette Krabbeltiere haben ihre Chance, vor dem Regen zu flüchten, wahrgenommen und haben es sich schon gemütlich gemacht. An erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Alle paar Minuten muss man sich drehen, da immer irgendwo etwas drückt. Entweder sind die Beine oder der Kopf abgeknickt. Das ist mal eine nette Begrüssung in der Silvretta.

Am nächsten Tag empfängt uns aber strahlender Sonnenschein. Die Motivation ist schlagartig wieder da und nach dem gestrigen Beinahe-Ruhetag sind wir auch beinahe wieder ausgeruht. Beim Zustieg ins Gebiet kommen wir schon mal ziemlich ins Schwitzen. Wir gelangen in den Sekten Sektor, wo uns gleich ein markantes Dach ins Auge sticht. Es ist der Thor-Block. Solche grossen Griffe im steilen Gelände mit diesem Fels habe ich noch nicht so oft gesehen. Wir probieren gleich Odin und kommen schon bald Gesellschaft von einem Schweizer und zwei Deutschen. Die Schwierigkeit beschränkt sich auf einen einzigen Längenzug oder viel mehr auf das Auflösen dieses Zuges. Die natürliche Körperspannung, also die, welche man auch ohne Training hat, reicht uns gerade knapp für den Durchstieg. Thor selber entpuppt sich, obwohl leichter bewertet, als schwerer. Der Längenzug hier ist ein dynamischer Schnapper an eine nicht sichtbare Leiste. Mit ein bisschen Pech könnte man sich hier schon die Haut ruinieren. Wir haben Glück, treffen die Leiste und sind noch fit für weitere scharfe Leisten. Cobra ist viel einfacher als wir erwartet hätten, einfach ein netter kleiner Boulder, aber nichts besonders. Eine Linie, dass beim ersten Blickkontakt der Atem aussetzt, ist dafür Zu Jung um zu Sterben / Too Young To Die. Scharfe positive Leisten ermöglichen den Durchstieg dieser leicht überhängenden Wand. Scheinbar ein Kantenboulder, muss die Kante nirgends zwingend gehalten werden. Da wir noch recht jung sind, entscheiden wir uns für einen Go. Es sind sowieso derart viele Matten am Einstieg, dass ein Sturz nicht sehr unangenehm wäre. Kurz unter dem Ausstieg erreicht man ein gutes Henkelband. Dort heisst es ruhig bleiben, hier bleibt erstmals Zeit zum Überlegen. Der Ausstieg entpuppt sich auch fast als listigste Stelle, sofern man nicht genau weiss, wie es geht. Mit einer Portion Adrenalin stehen wir aber am Schluss beide heil auf dem Block. Das war schon mal ein super Start in der Silvretta. Wir steigen weiter auf und durchqueren den Super Crack Sektor, wo wir kurz den Italian Summer klettern. Am Schuh des Manitou Block verweilen wir wieder länger. Nach einem Kampf mit dem Beta kann Michi schliesslich Squa Man punkten.

An diesem Abend finden wir einen viel gemütlicheren Platz zum Übernachten als am vorigen Abend. Super Aussicht, genug Platz und kein Regen - wir freuen uns über diesen Luxus und kochen und essen friedlich bis es dunkel wird. Am nächsten Morgen lassen wir die vom Tau nassen Pads in der Sonne trocknen, bis wir langsam den Zustieg wieder unter die Füsse nehmen. Yänu hat noch eine Rechung mit dem Squa Man offen und will alles tun, um diese zu begleichen. Mit viel Pech rutscht er aber wieder am letzten schweren Schnapper. Nach einer kurzen Pause zum Fokussieren steigt er diese schöne Kante aber souverän durch, Michi hält den Fight auf Video fest. Im Führer ist das Shanghai Syndrom als "Schmankerl" beschrieben. Das müssen wir uns genauer ansehen und kurze Zeit später haben wir auch diese technische Kante mit Heelhocks und sauberem Anstehen überlistet. Wir toben uns weiter im Super Crack Sektor aus. Michi klettert die Traverse Chamlet im zweiten Go und den Dyno Traumschiff flash. Ein Muss ist auch ein Foto vom Fotoblock, einer eindrücklichen überhängenden Kante. Yänu würgt sich die Golden Ramp hinauf, Golden Gate selbst ist leider nicht ganz in unserer Reichweite. Am gegenüberliegenden Block kann Michi mit Yänu's Tipps die harte Traverse Gautscho flashen. Der Start ist schwierig, danach wird es kontinuierlich einfacher. Kurz und leistenlastig ist Shorti, hier werden die Finger lang gezogen. Wir ziehen in den nächsten Sektor, wo vieles sehr verlockend aussieht. Rubber Gun scheint auf den ersten Blick einfacher, als es tatsächlich ist. Mit seriösem Auschecken des ersten Zuges klappt es aber. Alkatrac und Alcaträkker sind eine schöne Zugabe, athletische Züge in einer Traverse um den halben Block. Wir wollen kaum mehr aufhören, die Beach Kante sieht auch genial aus. Jedoch sind wir langsam doch müde und wollen morgen noch weiter klettern. Auch Yänu's Haut ist schon recht am Leiden und das schon seit dem ersten Klettertag...

Am letzten Tag spazieren wir an einer genialen Linie vorbei. Wir finden sie nicht im Führer. Also probieren wir einfach mal und entschlüsseln Zug um Zug. Als der beinahe perfekte Boulder geklettert ist, finden wir in doch noch im Führer. Es ist Thomahawk. Eigentlich nicht sehr schwierig, finden wir interessant, dass wir trotzdem unsere Zeit dafür gebraucht haben. Als meistens mit Guidebook bewaffnete Konsumboulderer schätzen wir diese mäjestetische Linie schwerer ein, als sie in Wirklichkeit ist und haben mehr Respekt. Eigentlich interessant, hätten wir den Grad gewusst, wären wir höchstwahrscheinlich schneller auf unsere direktere Lösung  gekommen, da wir uns gesagt hätten, dass es einfach gehen muss. Uns beiden schmerzt nach diesem Boulder die linke Schulter und wir flashen beide nur noch Simbat zum Abgewöhnen. Es waren ein paar geniale Tage, zuerst im Magic Wood, danach hier in der Silvretta. In Bouldergebieten trifft man oft nette Leute an. In der Silvretta waren es jedoch durchs Band extrem nette Menschen, die sehr hilfsbereit und freundlich waren. Das ist fast wichtiger als die Blöcke und spielt auch immer eine Rolle, dass einem ein Gebiet gefällt. Danke auf jedenfall für alles Nachschauen von Wetterberichten, empfehlen von Übernachtungsmöglichkeiten und auch dem Auffinden versteckter Boulderblöcke.

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