Mittwoch, 28. Januar 2015

Cresciano Days


Ende Januar war ich mit Chrus in Cresciano und wir hatten bei bestem Wetter praktisch das ganze Gebiet alleine für uns. Chrus holte sich eine seriöse Begehung von La Boulette (Bild oben) und ich konnte den Klassiker La Rondella im ersten Versuch klettern, nachdem ich früher dort mal knapp nicht hochgekommen bin. Bis zum Eindunkeln kletterten wir an zahlreichen leichteren Bouldern. Merci Chrus für den friedlichen Tag! 

Ein anderes Mal war ich zusammen mit Laura wieder da. Zum Glück war es einer der ersten frühlingshaften Tage in diesem Jahr und wir kletterten den ganzen Tag an vielen einfacheren Bouldern. Am Abend trafen wir Philipp, nach einer Reibungsplattensession konnten wir noch die ersten Meter der Heimreise mitfahren, danke!

Sonntag, 25. Januar 2015

Osogna


Zu lange war ich nicht mehr am klettern. Prüfungen und eine Krankheit, wegen der ich fast zwei Wochen im Bett lag, hielten mich von den Felsen fern. Nach 26 Tagen des Leidens durfte ich endlich wieder ins Tessin. Zum ersten Mal merkte ich, wie streng das Tragen eines Crash-Pads ist. Normal herumlaufen konnte ich schon wieder gut, aber um die Belastung des Pads wegzustecken, konnte die Lunge den Sauerstoff noch zu wenig gut aufnehmen. Danke an alle Kollegen für die Hilfe. In Chironico genossen wir einen friedlichen Tag alleine zusammen mit vielen nassen Felsblöcken. Nicht viel anders sah es wenige Tage später in Cresciano aus.

Der dritte Ausflug in den Süden brachte endlich die erhofften perfekten Bedingungen. Wir entschieden uns für Osogna. Hier hatten wir alle noch viele, auch einfachere Boulder nicht geklettert. Als erstes steuerten wir jedoch gleich "Mary Poppins" an. Diese wunderschöne Platte gilt als einer der schöneren Faceclimbs in der Umgebung. Der Start von "Mary Poppins" ist einfach, gegen oben hin wird es immer schwieriger. Die letzten Zentimeter zur rettenden Kante müssen hart erkämpft werden. Manu holte sich eine saubere Begehung, an den kleinen Griffen fühlte er sich sichtlich wohl. Im Gegensatz zu Chrus und Manu konnte ich dank meiner Grösse alle schlechten Griffe bis auf eine einzige abschüssige Leiste auslassen. Mit dieser "Tall Man Beta" für alle über 1.80 m funktionierts vermutlich ein wenig einfacher. Auf den Bildern ist Manu in der seriösen Lösungsvariante zu sehen... Am Abend durchstieg Manu gleich noch den nächsten mächtigen Boulder. In "Rêve de Mario" zögerte er nicht lange, stellte kompromisslos und stand kurze Zeit später oben auf diesem historischen Felsen.

 


Am nächsten Tag war auch Lars wiedermal für einen Bouldertag zu haben und Obed, Jan und Miro entschieden sich dank seriösen Überredungskünsten von Manu und mir gegen das tief verschneite Chironico und für Osogna. In der kletterfreien Zeit hatte sich die strapazierfähige Elefantenlederhaut in ein bemitleidenswertes Häutchen eines Büroangestellten verwandelt. Mir wurde klar, dass das Jammern der Boulderkollegen, die nur ab und zu den Weg an die Felsen finden, gerechtfertigt ist. Darum liess ich alle Boulder mit scharfen Leisten wie "Gilette", die Manu besonders Freude (=Schmerz) bereiteten, aus. Stattdessen genoss ich lieber die Sonne und kletterte viele laut Schwierigkeitsgrad einfachere Boulder, die sich oftmals aber als ziemlich komplex entpuppten. "Samba" war noch einfach, "Mamba" wartete mit einer listigen offenen Türe am Ende. Zusammen mit Lars kletterte ich die steilen, weniger technischen Boulder am "Homework"-Block, bevor wir uns alle zusammen gegen Abend am "Barack Obama"-Block einfanden.  

"Sea World" konnte ich schnell durchsteigen, aber in "Barack Obama" fanden wir keine brauchbare Lösung. Viel zu lange probierten wir zu tief zu queren. Irgendwann fand Manu die seriöse Untergriffbeta und Obed folgte ihm sogleich. Ich hatte mehr Mühe, doch nach einer kleinen Korrekur für mein Beweglichkeitsdefizit konnte ich schlussendlich auch aussteigen. "Stanza Con Vista" forderte ein letztes Mal Technik und Übersicht, danach war genug gebouldert für heute. Merci für alles!

Danke Dani für dieses Bild von letztem Jahr, als ich hier nicht mehr weiter kam.

Freitag, 12. Dezember 2014

Teamwork

Nachdem wir einige andere Projekte probiert hatten, motivierte mich Luki für eine Session in Teamwork. Die Geschichten von scharfen Leisten konnten mich nur bedingt begeistern. Der grosse Felsblock liegt in einer feuchten und schattigen Mulde. Nachdem wir herausgefunden hatten, wo der Stehstart beginnt, konnte ich diesen mit eiskalten Fingern flashen. Die Moves vom Sitzstart gelangen auch auf Anhieb, nur für den zweiten Move fand ich keine brauchbare Beta. Luki entdeckte den Toehook für rechts, der den zweiten Move einfach macht. Schwieriger ist das Auflösen des Toehooks und der nächste Blockierzug, der in die Startposition der Stand-Variante führt. Insgesamt ist Teamwork aber ziemlich homogen.

Im ersten Durchstiegsversuch kletterte ich gleich in den Stehstart. Ich fiel unerwartet beim Zug an den grossen Griff, als mir die rechte Hand von einer feucht-kalten Leiste rutschte. Dasselbe passierte mir sogleich nochmal mit der linken Hand ein paar Züge davor. Nun war es schon langsam am Eindunkeln, doch im dritten Versuch erreichte ich den guten Griff rechts aussen. Ich hatte vergessen, die Stirnlampe anzumachen und hatte Mühe, die Fusstritte zu finden. Der Grip fühlte sich auch schlecht an, doch die Flucht nach vorne war erfolgreich. Hier ist noch ein kleines Video von Teamwork, die Qualität ist entsprechend den schlechten Lichtverhältnissen schlecht.

 

Sonntag, 7. Dezember 2014

Miss Schweiz


Der grosse, mächtige Überhang von "Miss Schweiz" zuunterst im Boogalaggasektor stand schon immer weit oben auf meiner Wunschliste. Schon früher hatte ich mich an dieser Traumlinie versucht, doch ohne Erfolg. Heute beginnen wir den Tag bei "Saludos Amigos". Hier habe ich eine alte Rechnung zu begleichen. Im Dezember 2011 hatte ich keine Chance beim Startmove. Ich staunte, als Manu den Zug nun im ersten Versuch hinkriegte. Bei mir klappte es diesmal jedoch auch auf Anhieb, es fühlt sich ganz anders an als vor drei Jahren. Beni holte sich eine Begehung des Stehstarts, der das Leistengekralle zu unterst auslässt und nur die homogen schwierigen, schönen Bewegungen des oberen Teils beinhaltet.

Als wir uns aufgewärmt hatten, stiess auch noch Dani mit seiner Familie zu uns. Bezüglich Matten gab es jetzt endgültig keine Ausreden für eine "Miss Schweiz"-Begehung mehr. Nach dem ersten Angewöhungsversuch rutschte mir der Fuss beim Kreuzzug vom Tritt. Im nächsten Anlauf stellte ich den Fuss vor der Hand auf den Tritt. So hebelte ich mich aber zu stark aus der Wand raus. Einige Minuten später war ich wieder an derselben Stelle und habe in einer komplizierten Aktion genügend Platz für den Fuss freigemacht. Keine Ahnung ob das nötig war, aber so hat der Fuss schliesslich gehalten. Sobald man die kleine Leiste sauber erwischt, wird es deutlich einfacher. Der Handklemmer im Riss hält super. Beni klettert den Überhang über die Alpinistenvariante "Miss Bergführer" rechts am breiten Riss entlang.


Am Abend gab es kleines Fest, darum blieb ich nicht im Tessin. Nach gefühlten drei Sekunden Schlaf stand ich wieder auf und fuhr zurück nach Chironico. Manchmal korrelieren Restalkohol, Schlaf und Kletterleistung nicht wie erwartet. Heute bestätigte ich mit einer schäbigen Leistung aber jeden Sportwissenschaftler. In "Le Pilier" brachte ich nichts, kaum einen einzelnen Zug hin und schmierte nur auf den Griffen rum.


Am nächsten Samstag war ich wieder in Chironico. Doch als ich auf dem Parkplatz Philipp und Sascha traf, regnete es entgegen dem Wetterbericht. Irgendwann liess der Regen nach und wir suchten nach trockenen Felsen. "Matusalem" und "Doctor Crimp" waren trocken und so wiederholte ich diese Linien. Im Boogalagga-Sektor entdeckte Sascha eine schöne Kante, die noch nicht geklettert schien. Lose Felsschuppen am Start schienen das zu bestätigen. Nach einer kurzen Putzaktion beging Sascha den "Schlingel" (Bilder oben), der sich als viel einfacher als erwartet herausstellte. Trotzdem ist es ein schöner kleiner Boulder. Danach haben wir ein schönes neues Projekt angefangen, das aber nur teilweise trocken war.

Am Sonntag war ich mit Philipp wieder da. Nach einigen guten Versuchen in einem Klassiker trafen wir Dani und Luki bei "Le Pilier". Alles fühlte sich viel besser an als beim letzten Mal. Im ersten Versuch kam ich problemlos bis zum letzten Zug und sprang an den guten Griff. Leider erwischte ich ihn überhaupt nicht. Als sich der Puls wieder beruhigt hatte, probierte ich ein zweites Mal. Die Haut war schon recht dünn und ich begann zu schmieren. Jedoch rutschte ich nicht ab und konnte mich diesmal an den guten Griff retten.